
Ayse Naz Bulmus (von links), Esengül Altunkapan sowie Cem und Hayriye Kara geben bei der Aktion „Ein Verein zeigt Herz“ beim Secondhandkaufhaus der Aufbaugilde Spätzle mit Gulasch aus. Rumen Demiro freut sich über die Mahlzeit. (Foto: Daniel Hagmann)
Mit einem dampfenden und appetitlich gefüllten Plastikteller in der Hand setzt sich Björn Schlapat an eine der Biertischgarnituren, die an diesem frühen Nachmittag auf dem Parkplatz des Secondhandkaufhauses der Heilbronner Aufbaugilde platziert sind. „Wenn es so etwas nicht gäbe, würden manche Menschen in Deutschland verhungern“, sagt Schlapat, der in diesem Winter häufig im Kälteschutz der Aufbaugilde in der Neckarhalde übernachtet. Doch nun genießt der junge Mann erstmal sein Mittagessen: Spätzle mit Gulasch. „So ein zartes Fleisch habe ich das letzte Mal bei meiner Oma gegessen“, berichtet Schlapat.
Unter dem Motto „Ein Verein zeigt Herz“ veranstaltet der FC Union Heilbronn am vergangenen Freitag und Samstag zum fünften Mal eine kostenlose Essens- und Getränkeausgabe in Zusammenarbeit mit der Aufbaugilde. Zum vierten Mal findet die Veranstaltung neben dem Secondhandkaufhaus statt. „Hier erreichen wir die Menschen, die wir mit unserer Aktion unterstützen möchten“, sagt Franz Abfalder, der Hauptorganisator der Aktion.
Essen und Trinken für Obdachlose – mit Spenden finanziert
Neben den Spätzle erhalten die obdachlosen und bedürftigen Menschen auch belegte Brote, Gemüse, alkoholfreie Getränke sowie Kaffee und Kuchen. „Die Kosten sind vor allem durch Spenden von Privatleuten gedeckt, die uns entweder mit Geld unterstützt haben oder aus eigener Tasche kistenweise Lebensmittel gekauft und uns zur Verfügung gestellt haben“, berichtet Abfalder. Auch der Verein Menschen in Not der Heilbronner Stimme hat 2.000 Euro aus seinen Spendeneinnahmen für die Aktion bereitgestellt.
Gut gelaunt schöpft Cem Kara die Spätzle aus dem Warmhaltetopf in den Teller. Er hat das Essen in den Vereinsräumen des FC Union zubereitet. „Am Ende dieser beiden Tage werde ich 80 Kilogramm Spätzle, 50 Kilogramm Fleisch und 20 Kilogramm Kartoffeln verarbeitet haben“, erzählt er. Mehr als 1000 Portionen werden es dann gewesen sein. Seine Frau Hayriye Kara füllt ebenfalls Teller und gibt sie an die hungrigen Gäste heraus. Sie berichtet: „Die Bedürftigkeit der Menschen nimmt zu. Da finde ich es wichtig, dass wir uns für sie einsetzen und unterstützen, wo wir können.“ Wenn den Helfern des FC Union auffällt, dass es den Bedürftigen an Kleidung für den Winter fehlt, geben sie auch gespendete Schuhe und Mäntel an die Leute aus.
„Es ist super, dass wir hier kostenlos mit Essen versorgt werden“, sagt Hans-Jürgen Scheuermann, nachdem er sein Mittagsmahl beendet hat. „Einige der Leute heute hier hätten sonst vielleicht den ganzen Tag nichts zum Essen.“
Bei Bedürftigkeit: „Wer kann, der gibt, wer braucht, der nimmt.“
Für Franz Abfalder ist es wichtig, dass die Gesellschaft zusammenhält und auch jene Menschen nicht vergisst, die täglich mit existenziellen Problemen zu kämpfen haben. „Mein Motto ist: ‘Wer kann, der gibt, wer braucht, der nimmt.’ Unter den Helfern heute sind auch Obdachlose. Es ist wichtig, dass sich jeder wahrgenommen fühlt und nicht den Eindruck bekommt, abgehängt zu sein und keine Wertschätzung zu bekommen“, erklärt der Organisator. Der Termin in der zweiten Novemberhälfte sei bei vielen Helfern und Gästen bereits verankert und bilde jedes Jahr im Herbst einen wichtigen Treffpunkt.
Auch vom Team des Secondhandkaufhauses helfen Mitarbeiter. „Es ist eine tolle Zusammenarbeit zwischen uns und dem FC Union“, sagt Jörg Kiefer, Leiter des Kaufhauses. „Wir stellen den Veranstaltungsort und kennen die Bedürftigen, die hier die notwendige Hilfe erfahren.“ Das Gildekaufhaus werde immer mehr zum Anlaufpunkt. In diesem Jahr ist die Kundenfrequenz so hoch wie noch nie. Kiefer: „Gerade, wenn es einem gut geht, sollte man den fürsorglichen Blick für die Mitmenschen nicht verlieren. Ein warmes Büro beispielsweise ist nicht für jeden selbstverständlich.“