
Beim Sozialarbeitertreffen, zu dem der Verein Menschen in Not Ende Oktober an den Stammsitz der Heilbronner Stimme in der Allee 2 eingeladen hat, tauschen sich die Mitarbeiter von 18 Institutionen zu aktuellen Themen aus. Foto: Mario Berger
Silke Zimmermann findet deutliche Worte: „Es geht nicht um Luxus, sondern um Lebensmittel. Ums pure Überleben.“ Ähnliche Erfahrungen wie die Mitarbeiterin der Diakonischen Jugendhilfe Region Heilbronn machen auch andere Beschäftigte von sozialen Hilfsorganisationen, die jene Menschen unterstützen, denen das Wasser bis zum Hals steht. Und bei denen am Ende des Geldes noch einiges vom Monat übrig ist.
Der Verein Heilbronner Stimme/Aktion Menschen in Not hat auch in diesem Jahr Vertreter der von der Leserhilfsaktion begünstigten Einrichtungen eingeladen. Dabei haben sich Mitarbeiter von 18 Institutionen ausgetauscht — über aktuelle Themen, mit denen sie sich auseinandersetzen, um das Leid in der Region zu mildern.
Soziale Notlagen im Raum Heilbronn: Bearbeitungsdauer oft ein Problem
„Die Dauer der Bearbeitung von zustehenden Geldern ist immer wieder ein Problem“, erklärt Silke Zimmermann. Heißt: Es gibt zwar ein soziales Netz, das Menschen in prekären Lebensverhältnissen auffangen soll. Allerdings kommen die Mitarbeiter in den zuständigen Ämtern kaum mit der Bearbeitung hinterher. Immer wieder fehlen notwendige Formulare, um zustehendes Geld auszubezahlen. „Die Zeit bei den Behörden, um Anträge zu bearbeiten, bereitet mir zunehmend Sorge“, sagt auch Birgit Stroppel von der Lebens- und Sozialberatung der Diakonie Brackenheim.
Oft sind die Anträge für Personen mit geringen Sprachkenntnissen nur schwierig verständlich. Die Folge: Es vergehen Wochen oder gar Monate, bis sie das Geld erhalten, um Lebensmittel zu kaufen. Und ohne anderweitige Unterstützung bleibt der Kühlschrank dann leer.
Diakonie Heilbronn bietet Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen
Genau dort klinkt sich Laura Rumig mit ihrem Beratungsteam für Schwangerschaft, Familie und besondere Lebenssituationen bei der Diakonie Heilbronn ein. Sie betont: „Wir unterstützen Menschen dabei, Anträge auszufüllen und helfen mit Lebensmittel-Gutscheinen aus. Bei uns geht niemand hungrig raus.“
Bei mehreren sozialen Organisationen spielt auch das Thema Gewalt in der Partnerschaft eine Rolle. Diese nimmt im Stadt- und Landkreis Heilbronn immer mehr zu. Wenn Frauen unter häuslichen Übergriffen leiden und nur der Partner Zugriff auf die Familienfinanzen hat, ist die Hürde, aus der qualvollen Situation auszubrechen hoch. „Manche Frauen, die zu uns kommen, haben nicht einmal genug Geld für Winterschuhe“, sagt Ute Langner-Zimmermann, Vorsitzende des Vereins Frauen helfen Frauen. „Zudem unterstützen wir die Frauen finanziell bei der Kaution für eine neue Wohnung. Dafür sind wir auf Spenden angewiesen.“
Verein Frauen helfen Frauen sorgt für Selbstbewusstsein und Neustart im Leben
Darüber hinaus betont Langner-Zimmermann, dass der Einsatz ihres Vereins nicht nur individuelle Erfolge erzielt, sondern auch dafür sorgt, dass die Engagierten gemeinsam mit den betroffenen Frauen und ihren Kindern neue, gefestigte Strukturen schaffen, um sich wieder in der Gesellschaft einzugliedern: „Nach dem Aufenthalt bei uns, sind sie ganz neue Menschen. Die Frauen sind nach der Betreuung bei uns im Frauenhaus deutlich selbstbewusster und haben wieder eine Perspektive für ihr Leben.“
Durchweg betonen die Sozialarbeiter aus dem Raum Heilbronn beim Treffen, wie wichtig die regelmäßigen Ausschüttungen der Leserhilfsaktion Menschen in Not – in der vergangenen Runde sind es 730.000 Euro gewesen – für die Institutionen sind. Felix Beck etwa von der Caritas Heilbronn-Hohenlohe erklärt: „Ohne die Mittel des Vereins hätten wir nichts, um Menschen, die kurzfristig in Not geraten sind, finanziell zu helfen.“
Dankbarkeit für den Einsatz von Menschen in Not
Aber auch aufseiten der Unterstützten ist die Dankbarkeit groß und die Bedeutung von Menschen in Not bekannt. Ajla Coric, Schulleiterin der Susanne-Finkbeiner-Schule, die Kindern und Jugendlichen aus problematischen Verhältnissen zu einem erfolgreichen Bildungsabschluss verhilft, berichtet: „Die Schüler sagen zu mir, dass ich mich bei Menschen in Not bedanken soll. Schließlich sorgt der Verein dafür, dass sie zur Schule gehen können.“
Auch Coric hält den Einsatz für Menschen aus prekären Verhältnissen aus mehrfacher Sicht für wichtig: „Wir tun das auch, um zu verhindern, dass die Kinder und Jugendlichen später Fälle für andere Hilfsorganisationen werden.“