
Das Vertrauen der Menschen in die Hilfsaktion der Heilbronner Stimme ist nach wie vor ungebrochen: Im 54. Jahr von „Menschen in Not“ sammelte der Verein rund 886.000 Euro an Spendengelder für Personen aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn, dem Kraichgau und dem Hohenlohekreis, denen finanziell das Wasser bis zum Hals steht. Menschen, denen wegen Mietrückständen die Obdachlosigkeit droht, die aufgrund ihnen zustehender, aber noch nicht bezahlter Sozialgelder bereits zur Monatsmitte einen leeren Kühlschrank haben oder die Energiekostenzuschüsse benötigen.
Zwar verringerte sich die Spendensumme im Vergleich zum Vorjahr um etwa vier Prozent und auch die Zahl der Spender ging von 6.994 auf 6.532 zurück, allerdings stieg der durchschnittliche Spendenbetrag leicht an – auf 136 Euro. Die Menschen im Verbreitungsgebiet der Heilbronner Stimme sind sich offenbar ihrer Verantwortung bewusst: Wer es sich leisten kann, der ist auch freigiebiger für jene in der Gesellschaft, die mit existenziellen Problemen zu kämpfen haben. „Die Aktion ʻMenschen in Notʼ ist richtig stark in der Region verankert. Das sieht man auch daran, dass die Spenderzahl um 700 Personen höher liegt als noch vor zehn Jahren und auch die Spendensumme im Durchschnitt 50 Euro mehr beträgt als noch vor einem Jahrzehnt“, sagt Tilmann Distelbarth, Geschäftsführer und Verleger der Heilbronner Stimme. Gerade Großspenden von Unternehmen aus der Region machen mit 14 Prozent ebenfalls einen wichtigen Teil der gesammelten Summe aus. Die gewerblichen Spender sind damit weiterhin bedeutsame und zuverlässige Partner der Leserhilfsaktion.
Heilbronner Stimme gibt „Menschen in Not“ eine Plattform
Entscheidend für den Erfolg der Leserhilfsaktion ist auch die Plattform, die die Tageszeitung dem Team um Vorstand Tanja Ochs, ihrem Stellvertreter Daniel Hagmann und dem erweiterten Vorstandsmitglied Stratos Goutsidis bietet: In der Adventszeit veröffentlicht das Team von „Menschen in Not“ in der Heilbronner Stimme täglich Fallbeispiele, in denen das Geld des Vereins hilft, akute finanzielle Problemsituationen zu lösen. Ochs und Hagmann stellen zudem soziale Organisationen vor, deren Projekte von den Spendengeldern profitieren. Darüber hinaus erscheinen täglich die Namen der Spender im Blatt.
Die zunehmend prekäre Lage, in der sich auch die Menschen in der Region aufgrund von Energiepreissteigerungen und Inflation befinden, zeigt sich auch daran, dass sich die Eingänge der Anträge auf Hilfe von „Menschen in Not“ nicht mehr nur – wie noch vor einigen Jahren – auf die Adventszeit beschränken, sondern das Team ganzjährig Gesuche erreichen. Vielfach fällt dabei auch die Überlastung sozialer Einrichtungen auf: Den Antragsstellern steht, beispielsweise aufgrund plötzlich aufgetretener Arbeitslosigkeit, Bürger- oder Wohngeld zu, allerdings kommen die Ämter mit dem Bearbeiten der Fälle nicht hinterher. Bei solch temporären Engpässen springt „Menschen in Not“ ein und überbrückt die Situation durch die Herausgabe von Lebensmittel-Gutscheinen. Diese haben in der Regel den Wert zwischen 150 und 300 Euro. Das Ziel von „Menschen in Not“ ist dabei nicht, das soziale Netz zu ersetzen, sondern dort einzuspringen, wo akute Probleme schnelles Handeln notwendig machen. Die drei Mitglieder des erweiterten Vorstands bearbeiten die Fälle auf kurzen Dienstwegen rasch und unbürokratisch. Rund 100 dieser Fälle von Privatleuten haben Ochs, Hagmann und Goutsidis seit November 2023 betreut.
Alleinerziehende Mütter häufig in Geldnot
Zudem auffällig: Unter den Antragsstellern befinden sich häufig alleinerziehende Mütter mit Migrationshintergrund, bei denen der Ex-Partner nicht seiner Unterhaltspflicht nachkommt. Und die benötigten Summen steigen: Wo man vor zehn Jahren noch mit 100 Euro vorübergehende finanzielle Engpässe rasch überbrücken konnte, ist heute meist die doppelte oder gar dreifache Geldmenge notwendig, um den gewünschten Effekt zu erzielen.
Unter den Einzelanträgen, die das Team von „Menschen in Not“ unterstützt hat, befinden sich darüber hinaus auch Schicksale, in denen die Leserhilfsaktion einem mittellosen Mann die Zugfahrt zur Beerdigung seiner Mutter am Chiemsee bezahlt hat oder die rasche Unterstützung eines schwer erkrankten Rentner-Ehepaars, dem aufgrund von Mietrückständen bereits am übernächsten Tag die Räumung der Wohnung und damit die Obdachlosigkeit drohte.
„Menschen in Not“: Enge Zusammenarbeit mit Diakonie, AWO, Caritas und Co.
Weiterhin eng und fruchtbar gestaltet sich auch im 54. Jahr von „Menschen in Not“ die Zusammenarbeit mit den regionalen Hilfsorganisationen wie beispielsweise Diakonie, AWO, Caritas, Aufbaugilde und Kinderschutzbund. „Wir legen hierbei Wert auf direkten, persönlichen Austausch, um auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können“, sagt Tanja Ochs. Für Projekte der sozialen Einrichtungen sowie Unterstützung in akuten Einzelfällen stellte „Menschen in Not“ im abgelaufenen Geschäftsjahr in zwei Ausschüttungsrunden im Dezember 2023 sowie im Februar 2024 rund 100 Organisationen mehr als 740.000 Euro zur Verfügung. Einen großen Anteil daran macht auch die Energiekostenhilfe aus, bei denen Menschen, die aufgrund ihrer Engpässe die anfallenden Nachzahlungen nicht bewältigen können, unbürokratisch Unterstützung beantragen können. In diesem Zusammenhang schüttete „Menschen in Not“ unter anderem an die Stadt Heilbronn, die Landratsämter in Heilbronn und Künzelsau sowie die AWO im abgelaufenen Geschäftsjahr 174.000 Euro aus. Zuzüglich der Ausschüttungen über die direkt eingegangenen Anträge, die der erweitere Vorstand bearbeitet hatte, verteilte „Menschen in Not“ zwischen dem 1. April 2023 und dem 31. März 2024 rund 794.000 Euro, um das Leid in der Region zu lindern.