Von Pro Familia über die AWO-Schuldnerberatung bis zur Aidshilfe Unterland: Beim Sozialarbeitertreffen auf Einladung des Vereins Menschen in Not waren Vertreter von 17 Einrichtungen zu Gast, die Spendengelder von der Leserhilfsaktion erhalten. (Foto: Ralf Seidel)

Die finanziellen Sorgen der Menschen nehmen immer mehr zu. Laut des Vermögensbarometers des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) bewerten mehr als ein Viertel der Befragten die eigene finanzielle Lage als „schlecht“. Fast drei Viertel der Menschen kommen um Verzicht nicht herum und halten ihr Geld eher zusammen. Sowohl die Inflation als auch die globalen Krisen hinterlassen auch bei den Menschen im Stadt- und Landkreis Heilbronn, im Kraichgau und im Hohenlohekreis ihre Spuren. Und immer häufiger nimmt die Situation existenzbedrohende Züge an, wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist.

Dies wird beim Treffen von Sozialarbeitern einiger der vom Verein Menschen in Not begünstigten sozialen Einrichtungen deutlich, zu dem der Vorstand der Leserhilfsaktion der Heilbronner Stimme Ende Oktober eingeladen hat. „Bei uns gehen deutlich mehr Anfragen ein als in den Jahren zuvor“, sagt Beate Rothfuß vom Deutschen Kinderschutzbund Heilbronn. Zudem seien auch die benötigten Geldsummen immer größer, um den Menschen tatsächlich zu helfen. Rothfuss: „Ein großes Thema sind immer wieder Stromabschaltungen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir eng mit den Energieberatungen der Diakonie und der Caritas in Heilbronn zusammen, um die Menschen nachhaltig zu unterstützen.“

Soziale Einrichtungen in Heilbronn am Limit

Auch die sozialen Einrichtungen im Stadt- und Landkreis Heilbronn, im Kraichgau und im Hohenlohekreis geraten beim Versuch, die schwere Lage Bedürftiger zu lindern, immer mehr an ihre physischen und psychischen Grenzen. „Wir bekommen die Not von allen Seiten ab“, erklärt Laura Rumig vom Kreisdiakonieverband Heilbronn. Neben einer großen Energienot hat sie einen deutlichen Anstieg in der Schwangerenberatung beobachtet. Derzeit gibt es im Kreisdiakonieverband bei den Hilfsangeboten lange Wartezeiten. Aber: „Wir können aus den Mitarbeitern nicht noch mehr herausholen. Vielen gehen die Schicksale, mit denen sie täglich konfrontiert werden, sehr nahe. Die Kollegen sind am Limit und fallen vermehrt krankheitsbedingt aus.“ Doch Rumig betont: „Wir sind zwar am Schwimmen, versuchen aber auch, alles zu halten.“

In diesem Zusammenhang unterstützt der Verein Menschen in Not die sozialen Einrichtungen und reicht die aus den Spenden eingenommenen Gelder direkt weiter. Tanja Ochs, Vorsitzende der Leserhilfsaktion der Heilbronner Stimme, betont: „Wir stellen zwar Summen und finanzielle Hilfen in unseren Hauptausschüttungen zur Verfügung, allerdings ist es jederzeit möglich, dass wir bei Bedarf diese Unterstützung aufstocken. Schließlich sollen die Spenden jene Menschen erreichen, die sie auch dringend brauchen.“

Menschen in Not: Energiepreis-Entwicklung macht höhere Hilfssummen notwendig

Angesichts der Entwicklungen in der Wirtschaft und besonders auf dem Energiemarkt sind sich die Vertreter der sozialen Einrichtungen einig: Es ist gut, dass es den Verein Menschen in Not gibt und dass sich nach wie vor Spender finden, die diese Leserhilfsaktion der Heilbronner Stimme unterstützen. Vermutlich war der Stellenwert und die Bedeutung von Menschen in Not noch nie so hoch wie in der aktuellen Situation. Joachim Ade von der Aidshilfe Unterland erklärt: „Wir sind sehr glücklich darüber, von Menschen in Not Gelder für unsere chronisch kranken Klienten zu erhalten. Das hilft sehr viel und eröffnet neue Perspektiven.“

Mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen wird Jörg Beurer von der Diakonie Kirchenbezirk Weinsberg-Neuenstadt im Landkreis Heilbronn konfrontiert: „Auch wir versuchen zu helfen, wo wir können und arbeiten eng mit Schuldnerberatungsstellen zusammen. Oft sind pro Fall 1500 oder gar 2000 Euro notwendig, um bei den Menschen langfristig und tiefgreifend etwas zu bewirken. Mit ein paar Hundert Euro, wie es noch vor einigen Jahren gängig war, lässt sich heute nicht mehr viel bewegen.“ Und auch Gabriele Scholz vom Betreuungsverein im Hohenlohekreis berichtet: „Die finanzielle Unterstützung von Menschen in Not nimmt auch bei uns ordentlich Dampf aus dem Kessel. Ein Dauerbrenner sind die Kaufland-Hilfsgutscheine, die zwischenzeitlich schnell und unbürokratisch helfen.“